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Jahreslosung 2014

Gott nahe zu sein, ist mein Glück
Psalm 73,28

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Auf den ersten Blick machte mich die Jahreslosung 2014 – hier mit Bild von Andreas Felger – nicht gerade glücklich, denn der Begriff „Glück“ hat für mich etwas Oberflächliches, Zufälliges. Er tönt nach „Glück gehabt“ oder „Pech gehabt“, nach Sprüchen wie „Glück in der Liebe, Pech im Spiel“. Beim Lesen des ganzen Psalms entdeckte ich jedoch, dass er Fragen und Probleme anspricht, die heute noch sehr aktuell sind:

Zum Beispiel das Thema Nähe und Distanz: Für die einen bedeutet Nähe Sicherheit, Vertrautheit und Geborgenheit, für andere Kontrolle und Einengung. Dies gilt sowohl für die Nähe zu anderen Menschen als auch zu Gott. Für die einen gibt es kein schöneres Gefühl als das, dass Gott alles über sie weiss und sie ihm alles sagen können. Für andere ist dies eine Horrorvorstellung, weil sie nicht möchten, dass jemand ihre Schwächen und Fehler kennt, oder weil sie Angst davor haben, wie Gott sie für ihre Fehler zur Rechenschaft ziehen wird. Eine weitere Herausforderung ist, dass sich Leute Gott in ganz unterschiedlichen Situationen nahe fühlen: die einen in der Natur, andere durch eine Kraft in sich, wieder andere, indem sie von Menschen Hilfe erfahren oder selbst Unterstützung leisten. Die einen fühlen Gott im Gebet nahe oder beim Lesen von Bibeltexten, die von der Kraft oder vom Mitleid Gottes zeugen.

Ein weiteres aktuelles Phänomen im Psalm ist das Vergleichen: Der Psalmbeter beobachtet das Leben und Ergehen seiner Mitmenschen und ärgert sich: Menschen, die er als gottlos empfindet, scheint es gut zu gehen. Es verbittert ihn, und er stolpert fast über seinen Neid. Lebt nicht auch unsere Gesellschaft sehr vom Vergleichen? Wer hat mehr erreicht im Leben? Wer sieht besser aus? Vielleicht auch: Wer hat mehr Schicksalsschläge zu verarbeiten? Wir sind ständig versucht, uns zu vergleichen, entweder mit denen, die besser, schöner und reicher sind, oder mit denen, die es schlechter haben als wir. So entsteht Neid. Doch Neid tut uns nicht gut.

Entlastend finde ich, dass dieser Psalm diese Dinge anspricht. Dass ein biblischer Text Zweifel und kritische Fragen zulässt. Dass ein biblischer Text ernsthaft fragt, ob es ich lohne, gottgefällig zu leben. Und überraschend modern finde ich, dass jede und jeder diese Frage für sich selbst beantworten darf. Die Einladung steht. Jeder Mensch muss für sich entscheiden, ob er sie annimmt. Der Psalmbeter entscheidet diese Frage schlussendlich mit Ja. Grund dafür ist, dass es den Menschen, die er Frevler nennt, zwar im Moment gut zu gehen scheint, aber dass sie ohne Gott keine Zukunft haben. Am Ende ihres Lebens werden sie verschwinden und vergessen gehen. Bei Gott aber, sagt der Psalmbeter, gibt es eine Zukunft. Aufgrund dieser Hoffnung, aber wohl auch aufgrund der Erfahrungen, die sein Volk – und vielleicht auch er selbst – mit Gott gemacht hat, entscheidet er sich für ein Leben mit Gott, jetzt und in Ewigkeit.

Am Anfang des Psalms spricht der Psalmbeter von der Güte Gottes denjenigen gegenüber, die reinen Herzens sind. Gegen den Schluss entdeckt er diese Güte für sich selbst. Im Hebräischen steht sowohl für die Güte Gottes als auch für Glück dasselbe Wort TOV. Dieser Begriff hat nichts mit oberflächlich und zufällig zu tun. Er meint einfach gut, und zwar ganzheitlich gut. Man könnte auch sagen „In Gottes Nähe fühle ich mich rundum wohl.“ Somit geht es im Psalm um eine weitreichende Entscheidung, um Tiefe und Beständigkeit.
Mein Glück aber ist es, Gott nahe zu sein;
bei Gott dem HERRN habe ich meine Zuflucht.
Alle deine Werke will ich verkünden. (ganzer Vers 28, Zürcher Bibel 2007)

Wie würden wir, die Menschen in unserer Familie oder im Dorf die Frage beantworten, was denn unser Glück sei? Welche kleinen oder weitreichenden Entscheidungen treffen wir wohl dieses Jahr? Wie werden wir einzelnen Menschen, Paare, Familien, die Kirchgemeinde in Rifferswil, die Landeskirche, die weltweite Kirche die Anwesenheit Gottes in diesem Jahr wohl erfahren?
Wie wird uns diese Jahreslosung wohl durch das Jahr 2014 begleiten? Ich bin gespannt!


Januar 2014, Pfarrerin Yvonne Schönholzer, Rifferswil

Gedanken zur Jahreslosung 2014
 
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